Was ist Wissenschaft?

Gunther Maier, Herwig Palme
Wirtschaftsuniversität Wien

Fragenliste



Mit der Frage, was Wissenschaft ist, beschäftigt sich die Philosophie seit vielen Jahren. Insbesondere die Wissenschaftstheorie geht dieser Frage und mit ihr verwandten Fragen nach: Welche Aufgaben hat die Wissenschaft? Welche Methoden darf sie verwenden, welche nicht? Was darf die Wissenschaft? etc. Im Rahmen dieser Darstellung ist es weder notwendig noch sinnvoll, Wissenschaftstheorie zu dozieren und derartig schwierige Fragen zu wälzen. Ganz abgesehen davon, dass wir uns dazu weder befähigt noch berufen fühlen. Sollten Sie Interesse an derartigen Fragen und Themen haben, so lesen Sie die entsprechende Literatur.

Vielmehr wollen wir pragmatisch eine Antwort auf die Frage "Was ist Wissenschaft" geben - eigentlich aus der Literatur übernehmen - und die Gelegenheit dazu nutzen, auf einige Aspekte aufmerksam zu machen, die uns für Studierende wichtig erscheinen, die eine wissenschaftliche Arbeit verfassen müssen.

Aus dem Begriff "Wissenschaft" lässt sich schließen, dass das ein Vorgang ist, der Wissen schafft. Auf zwei zentrale Aspekte wissenschaftlicher Tätigkeit weist der englische Ausdruck für Forschung, nämlich "research" hin. Da steckt einerseits mit "search" das Suchen drinnen - das Suchen nach Antworten auf relevante Fragen -, andererseits weist das "re-" auf die Wiederholung hin, auf das Überprüfen bereits gefundener Antworten, das Infragestellen überkommenen Wissens.

Ein Aspekt der Wissenschaft, der häufig übersehen wird, ist jener, dass es sich bei Wissenschaft um einen arbeitsteiligen Prozess handelt. Kleine wie große wissenschaftliche Erkenntnisse werden nicht von einer Person alleine geschaffen, sondern von vielen gemeinsam. Damit meinen wir gar nicht so sehr die Tendenz zu Forschung im Team und gemeinsamen Veröffentlichungen, sondern vielmehr die Tatsache, dass jede wissenschaftliche Leistung auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion beruht. Das kumulierte Wissen vieler Generationen von Wissenschaftern, ihre Gedanken, Argumente und Fehler, bilden die Basis, auf der die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse aufbauen. Diese Erkenntnisse wiederum tragen dazu bei, dass die nächste Generation von einer höheren Basis aus weiter bauen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen kann.

Was hat das mit Ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu tun? Sehr viel. Denn Sie sollten sich im klaren sein, dass Sie das Fundament der bisherigen wissenschaftlichen Diskussion als Basis benötigen, um Ihren eigenen Teil - und sei er noch so klein - beizutragen. Zugleich sollten Sie aber auch verstehen, dass Ihre wissenschaftliche Arbeit nicht die endgültige und definitive Antwort geben wird. Das ist keine Aufforderung, sich nicht anzustrengen.