Wie finde ich eine gute Fragestellung?

Gunther Maier, Herwig Palme
Wirtschaftsuniversität Wien

Fragenliste



Wie wir im Abschnitt "Was zeichnet eine gute Fragestellung aus?" geschrieben haben, ist eine gute Fragestellung eng und präzise. Der Übergang von einer Idee für eine Arbeit oder dem Thema der Arbeit zur Fragestellung ist daher ein Prozess der Präzisierung. Es geht dabei darum, sich auch Aspekte zu konzentrieren und andere weg zu lassen.

Das ist notwendig! Niemand kann alle Fragen zugleich beantworten und alle Probleme zugleich lösen. Auch Sie nicht.

Natürlich schneiden Sie, je enger und präziser Sie eine Fragestellung formulieren, zahlreiche Aspekte - die ja auch irgendwie damit zusammen hängen - weg. Die Entscheidung darüber, welche Aspekte man weg schneidet und auf welche man sich konzentriert, ist eine der schwierigsten beim Erarbeiten einer Fragestellung. Damit Sie diese Entscheidungen nicht einfach "aus dem Bauch heraus" treffen, empfehlen wir Ihnen folgende Vorgangsweise:

  1. Nehmen Sie Ihre Idee, Ihr Thema, Ihre vage Vorstellung darüber, worüber Sie schreiben wollen, her und führen Sie ein Brainstorming durch. Dabei schreiben Sie auf einer Tafel oder einem möglichst großen Bogen Papier alles auf, was Ihnen zum Thema Ihrer Arbeit einfällt. Egal, ob Ihnen das jetzt genial oder dumm vorkommt.  Für dieses Brainstorming können Sie auch Freunde und Kollegen zur Unterstützung heranziehen. Je mehr Ideen umso besser.

  2. Versuchen Sie, Ordnung in diesen Wildwuchs an Ideen zu bringen, indem Sie diese gruppieren und miteinander in Beziehung setzen. Suchen Sie dabei schon nach möglichen Fragen. Steckt hinter dieser Idee eine mögliche Fragestellung? Schreiben Sie diese Fragen auf. Verwenden Sie für jede ein eigenes Blatt Papier.

  3. Jetzt ist der Punkt erreicht, wo Sie jene Fragen, die Sie nicht interessieren, ausscheiden sollten. Ordnen Sie Ihre Fragen nach Ihrer Präferenz. Die interessantesten zuerst. Die uninteressanten werfen Sie weg.

  4. Nehmen Sie sich eine Frage nach der anderen vor und versuchen Sie für jede, folgende zwei Fragen zu beantworten. Notieren Sie die Ergebnisse und Antworten auf dem entsprechenden Blatt.

    1. Was sind die zentralen Begriffe dieser Frage und was meine ich damit?

    2. Was muss ich wissen, welche Arbeitsschritte sind notwendig, um auf diese Frage eine Antwort geben zu können?

Als Ergebnis sollten Sie nun einen Satz an möglichen Fragestellungen besitzen und auch eine einigermaßen gute Vorstellung davon haben, was die jeweilige Fragestellung impliziert. Legen Sie Ihre Aufzeichnungen nun für ein paar Tage zur Seite, damit Sie Abstand zu Ihren Überlegungen und zum Prozess gewinnen. Dann nehmen Sie sich die Aufzeichnungen wieder vor und gehen Sie sie noch einmal durch. Jetzt wählen Sie aus den möglichen Fragestellungen jene aus, die Ihnen am besten gefällt (d.h. die Sie am meisten interessiert).


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